Losgelöstheit - Das erste Prinzip

Die direkte Selbstüberzeugung ist der wohl effizienteste Weg zur Gestaltung der eigenen Zukunft und Persönlichkeit, jedoch hat sie einen Erzfeind: Die Willenskraft. Anstrengung macht sich stets selbst einen Strich durch die Rechnung und bringt das Gegenteil dessen hervor, was man sich wünscht. Das Problem: Das Massenbewusstsein lebt nach dem Motto: Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. In diesem Artikel erfährst Du eine nützliche Vorarbeit für die direkte Autosuggestion.

Das Gesetz des geringsten Aufwandes

Wie kann der Mensch seine Zukunft gestalten? Indem er das macht, was er sein ganzes Leben lang bereits getan hat. Wir sind alle bereits Meister der Manifestation. Jeder Augenblick unseres Seins ist eine Manifestation, denn andernfalls würden wir plötzlich für einen winzigen Augenblick im Nichts enden. Es geht also lediglich darum, dass Du die unbewussten Mechanismen kennen lernst und imitierst. 

Um das Unbewusste zu imitieren, müssen wir dessen psychologischen Gesetze kennen lernen. Eines der entscheidenden Gesetze nennt sich das Gesetz des geringsten Aufwandes. Die Willenskraft ist ein Produkt des bewussten Verstandes. Das Unbewusste kennt keine Willenskraft und ist deshalb dazu gezwungen, immer den Weg des geringsten Aufwandes zu wählen. Deshalb ist das Unbewusste eine Fabrik der Gewohnheiten.

Wir alle wurden von dem Massenbewusstsein geprägt und in bestimmte Bewusstseinszustände unwillentlich gedrängt. In diesen Zuständen verweilen wir bereits einige Jahre oder Jahrzehnte und sie wurden zu unserer Natürlichkeit. Wir drücken immer aus, was unserer Natur entspricht. 90-95 % des Tages wird unser Handeln, unsere Gedanken, unsere Entscheidungen unsere Gefühle vom Unbewussten vorbestimmt. Alle Gedanken, Handlungen und Entscheidungen haben ihren Ursprung im gegenwärtigen Bewusstseinszustand, indem der Einzelne verweilt.

Wer also z.B. gewohnheitsmäßig in dem Bewusstseinszustand der Armut verweilt, wird 90-95 % des Tages auch Gedanken, Handlungen und Entscheidungen haben bzw. treffen, die aus diesem Zustand entspringen. Nur 5-10 % des Tages ist sich der Mensch seiner Selbst bewusst und kann aktiv den Zustand wählen, aus dem er seine Welt wahrnehmen möchte. Es ist eine logische Konsequenz, dass die Veränderungen nachhaltiger und zügiger kommen, wenn die Gewohnheiten des Unbewussten verändert werden.

Damit das Unbewusste nicht immer zur unerwünschten Bewusstseinszuständen wandert und von dort aus handelt, denkt und fühlt, sollte man den bewussten Anteil für die direkte Selbstüberzeugung nutzen. Zunächst muss man wissen, welchen Bewusstseinszustand man gewohnheitsmäßig verkörpern möchte und anschließend beständig in diesen Zustand willentlich wandern, denn nur durch die Beständigkeit wird eine bewusste Kompetenz (Bewusstseinszustand) zu einer unbewussten Kompetenz (Bewusstseinszustand). 

Somit ist ersichtlich, weshalb die erste Säule des Gesetzes der Annahme die Beständigkeit ist. Nun wissen wir aber auch, dass das Unbewusste den Pfad des geringsten Aufwandes wählt. Damit wir dies Imitieren können, darf kein Widerstand vorhanden sein, denn Willenskraft bedeutend nur, dass wir gegen einen Widerstand in uns ankämpfen. Während der direkten Selbstüberzeugung wird der Widerstand uns in den gegenwärtigen Zustand binden und je mehr wir ankämpfen, desto stärker verlagert sich unsere Aufmerksamkeit auf den Widerstand und dort wo unsere Aufmerksamkeit verweilt, spenden wir Leben. Der Widerstand wird nur größer und größer. 

Wie kann man dies verhindern? Indem man sich im Zweifelsfall für das Erste Prinzip entscheidet. Das erste Prinzip lautet ICH BIN. Wenn wir gelassen und ausgeglichen sind, ist es durchaus möglich von einem Bewusstseinszustand in einen anderen Bewusstseinszustand willentlich zu wechseln. In Phasen starker Emotionen und Gedanken wird diese Möglichkeit verhindert. In der unteren Graphik siehst Du beide Wege. 




Das Erste Prinzip

Neville Goddard nannte das Erste Prinzip auch Losgelöstheit, denn das Ziel besteht darin, dass man sich von seinem jetzigen Bewusstseinszustand gänzlich löst und in sein gesichts- und formloses Sein findet. Bevor Du wusstest, dass Du ein Mensch bist und einen Namen trägst, wusstest Du lediglich, dass Du bist. Du kannst vergessen, wer Du bist, wo Du bist und was Du bist, aber niemals kannst Du vergessen, dass Du bist. Dieses Sein wird auch als unkonditioniertes Bewusstsein bezeichnet, da Du jegliches Konzept/Zustand verlässt.

Wie kann man nun in dieses unkonditionierte Sein finden? Prinzipiell ist diese Frage schon falsch, da wir es nur durch absolute Passivität erreichen können, denn dies ist die Eigenschaft des reinen Bewusstseins. Es geht also um ein zeitweiliges Geschehenlassen. Geschehenlassen bedeutet: offen sein für das, was erscheint und auftaucht und für das, was geschieht. Nicht eingreifen, nichts tun, nicht reagieren. Es ist weder ein Dagegenangehen, noch ein Hinrennen oder Weggehen, sondern eine reine Beobachtung. Dies bedeutet nicht, irgendetwas zutun, um still zu werden, sondern einfach nichts zu tun. 

Das erste Prinzip bedeutet nicht, irgendetwas dafür zutun; die Gedanken und Gefühle zu unterdrücken, die der Stille im Weg stehen, sondern ganz im Gegenteil: alles zuzulassen, ohne einzugreifen. Es bedeutet, dass man alles auftauchen lässt, jedes Gefühl, das sich offenbaren möchte, jeder Widerstand und jeden Gedanken. Sofern dies einfach passiert, wird man feststellen, wie alles was ist, auch wieder geht und doch bleibt etwas für immer: Die Spitze des Bewusstseins - ICH BIN. 

Vor dieser Meditation des Geschehenlassens ist es bereits wichtig, keine besondere Erwartungshaltung zu hegen, denn dies würde willentlich oder unwillentlich zur Anstrengung führen. Dies gilt auch für das Eintauchen in den erwünschten Zustand. Konditioniere nicht im Vorfeld das Gefühl des bereits erfüllten Wunsches, sondern lasse es einfach auftauchen, denn jede Frage führt automatisch zu einer Antwort. Ein weiteres Prinzip des Unbewussten.

Das Reiz/Reaktion-Spiel

Das Unbewusste hat nicht nur bestimmte Bewusstseinszustände zur Gewohnheit werden lassen, sondern ebenso bestimmte Reiz-Reaktion-Muster, die über viele Jahrtausende wiederholt worden sind. Eines dieser Muster besteht darin, dass auf eine bestimmte Frage auch eine konkrete Antwort geliefert wird und dies vollständig automatisch. So konnte man in verschiedenen Versuchen feststellen, dass das Gehirn selbst dann nach einer Antwort sucht, wenn der Befragte schläft. Du kannst das Unbewusste also mit einer automatischen Suchmaschine vergleichen und ähnlich einer Suchmaschine findet das Unbewusste die Antwort innerhalb eines winzigen Augenblicks. 

Das Phänomen: Wir erhalten die Antwort zügiger, als das wir die Frage gestellt haben. Dies ist nur eine logische Folge, denn bevor wir uns selbst eine Frage stellen, stellen wir uns vor, dass wir uns jetzt diese Frage stellen und die Vorstellung führt bereits zur Antwort. Dies verhält sich lediglich anders, wenn die Frage von einer außenstehenden Person gestellt wird

Der einzige Grund, warum man die Antwort nicht hört, liegt darin, dass der Verstand zu sehr mit seinen eigenen Sorgen und Gedanken beschäftigt ist. 

Dieses Phänomen ist uns bereits sehr gut bekannt, denn wenn wir z.B. einen bestimmten Namen suchen und uns dabei anstrengen, fällt uns der Name nicht ein. Dennoch ist die Antwort bereits da, weil wir uns mehrfach gefragt haben, wie wohl der Name dieser Person war. Ein paar Stunden später liegen wir entspannt in unserem Bett und plötzlich nehmen wir die Antwort auch wahr. Die Antwort war immer da, nur jetzt hört der hyperaktive Verstand auch mal zu.

Die Meditation des Geschehenlassens hilft uns, dass wir die automatische Antwort wahrnehmen. Auch hier ist keine Aktivität notwendig bzw. würde dem Prozess auch entgegenstehen. Neville Goddard fasste es mit folgenden Worten meisterhaft zusammen: "Schweige und erlaube, dass sich Dein Geist öffnet."



Die einfache Meditation des Geschehenlassens

  • Setze oder lege Dich bequem hin und schließe Deine Augen. Es sollte ein ungestörter Ort sein. Nehme Dir für diese Übung mindestens 15 Minuten Zeit.
  • Richte die Frage nach innen:

"Was geschieht jetzt, wenn ich nichts tue?"

  • Nehme wahr, was im Vordergrund steht und antworte auf Deine Frage
  • Stelle die Frage immer wieder 

Du wirst bei dieser Meditation feststellen, wie viel Du noch kontrollierst. Die Atmung geschieht von allein. Es ist ein "sich atmen" lassen und doch stellst Du eventuell fest, dass Du noch Deine Atmung kontrollierst. Auch bestimmte Muskelpartien können angespannt sein; gerade im Schulter- und Nackenbereich. 

Gehe ruhig auch auf die Fragen ein, was Du gerade siehst (innere Bilder), hörst, spürst (Körperempfindungen) und fühlst (Emotionen). 

Beobachte einfach die Gedanken und Gefühle, die aufkommen und sehe ihnen dabei zu, wie sie sich in sich selbst auflösen. Stelle Dir vor, wie Du auf einer kleinen Anhöhe mitten im Ozean des Bewusstseins stehst, von wo aus die Gedanken, Gefühle und andere innere Aktivitäten wie fliegende Fische aufsteigen und dann wieder im Meer des Bewusstseins abtauchen. Greife nicht ein. Lasse geschehen.

Nach einer kurzen Weile wirst Du feststellen, dass Du innerlich immer mehr und mehr entspannst. Frage Dich anschließend: Wenn Du Deine Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und andere innere Aktivitäten beobachten kannst, wo stehst Du inmitten des Bewusstseins? Nehme Deine Mitte wahr. Nehme Dein wahres Wesen wahr: das Auge des Sturms. Der Sturm hat sich gelegt. Nun kannst Du einen kontrollierten Sturm entstehen lassen. 

Inmitten dieser Stille frage Dich: Wie würde ich mich fühlen, wenn mein Wunsch bereits erfüllt ist? (Passe diese Frage an Deinen Wunsch an)

Wisse, dass Du vor dem Stellen der Frage bereits die Antwort fühlst. Konditioniere nichts, sondern lasse das Gefühl - wie einen Fisch - aus den Tiefen des Ozeans aufsteigen und lasse Dich fallen. Richte Deine Aufmerksamkeit auf diesen Fisch und wiederhole eine kurze Suggestion, die als Ausdruck dieses Gefühls dient. 

"Einfach wundervoll!"

Bleibe solange in diesem Gefühl des bereits erfüllten Wunsches, bis Dich das Verlangen verlässt, denn dies impliziert, dass Du nun den erwünschten Zustand verkörperst. Damit ist die Zukunft besiegelt.


GERNE TEILEN


HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Astrid (Mittwoch, 10 Oktober 2018 12:50)

    Super Artikel !

  • #2

    Maggie (Mittwoch, 10 Oktober 2018 13:51)

    Dein Artikel bringt es wunderbar auf den Punkt...Manifestation geschieht um so einfacher, je weniger Willen dahintersteckt. Wir manifestieren ja ständig, jedoch tun das noch immer viele völlig unbewusst und damit willenlos, was sie dann zu dem irrtümlichen Gedanken führt, dem Schicksal ebenso willenlos ausgeliefert zu sein. Bewusstheit ohne bewusstes Wollen, sondern mit der Bereitschaft der Offenheit und des Geschehenlassens ist der Schlüssel zu wahrer Meisterschaft. Je entspannter wir sind, desto kleiner ist der innere Widerstand.

    Was mir auffällt, seit ich diesem Weg folge, ist, dass die Wünsche bezüglich äußerer Dinge/Zustände/Bedingungen immer mehr den Wünschen nach innerer Harmonie, bedingungslose Liebe und Frieden weichen. Das Außen verliert mehr und mehr an Bedeutung und ich erkenne immer deutlicher, dass es nichts anderes als ein Spiegel unserer inneren Welt ist. Ich danke dir mal wieder für deine großartige Arbeit.

  • #3

    Karl Hinkel (Mittwoch, 10 Oktober 2018 14:04)

    Ganz sicher ist dies ein guter Artikel. Völlig unvorbereitet kann man ihn nicht komplett verstehen. Dass es die Möglichkeit gibt, direkt mit dem Unterbewusstsein Kontakt zu haben, Antworten und Lösungen zu bekommen, war mir seit langer Zeit bekannt. Das habe ich auch zumindest zeitweilig konsequent genutzt. Der obige Artikel hat mir dazu eine Erweiterung gebracht, um alles noch viel effektiver zu machen. Vielen Dank.

  • #4

    NolaHyde (Mittwoch, 19 Dezember 2018 14:28)

    EINFACH WUNDERVOLL trifft es genau!!!